Zwei Dinge muss ich vorausschicken, bevor ich mit meinen Eindrücken und Ideen zum obengenannten Buch beginne.
1. Ich glaube, dass jeder von uns ökologische Verantwortung hat, und dass wir diese Verantwortung auch wahrnehmen müssen.
2. Ich glaube, man muss immer nach Perfektion streben, aber auch wissen, dass es die absolute Perfektion nicht gibt und es daher auf dieser Reise keinen Endpunkt geben kann.
Was hat das nun mit dem Buch zu tun?
Teil 1 erklärt, warum ich es für mich zu meinen Aufgaben zähle, es zu lesen.
Teil 2 erklärt, warum ich mir manchmal schwer mit dem Inhalt tue.
Aber der Reihe nach: Frau Busse beginnt das Buch mit einem sehr eindrucksvollen Bild – dem vom “Globalen Mittagstisch”. An diesem Tisch sitzen auf der einen Seite wir, die wir im Überfluss leben, und auf der anderen Seite – hinter einem Vorhang – die Hungernden. Hinter einem Vorhang, damit wir uns das Elend nicht anschauen müssen, und durch dem Vorhang schieben sie noch Essen auf unsere Seite … ich meine, wenn man dabei über ein gewisses Maß an Polemik hinwegsieht, kann einen das kaum kalt lassen. Ich bin ja kein Freund solch drastischer Worte, aber manchmal muss man auch aufgerüttelt werden, damit man hinschaut.
Die Autorin legt in weiterer Folge dar, dass für sie das momentane Wirtschaftssystem auf der einen Seite den Überfluss ermöglicht, aber nur auf Kosten anderer, die hungern müssen. Für Sie ist auch die Unsicherheit und Unwissenheit vieler Menschen in unserer Gesellschaft eine Folge dieses Wirtschaftssystems. Der Überfluss sei nämlich nur vorgegaukelt. In Wirklichkeit essen wir nicht, was wir essen wollen sondern was die “Industrie” uns vorsetzt. Was wir wirklich wollten, wüßten wir schon gar nicht mehr.
Sie untermauert diese Thesen mit vielen eindrücklichen Beispielen. Sie erzählt von der Lebensmittelkennzeichnung und was eben alles nicht drauf steht. Von der industriellen Produktion von Lebensmitteln und ob man dazu dann noch “Lebens-” mittel sagen kann. Vom Agrardumping und Exportsubventionen, vom negativen Einfluss des Handels auf die Produzenten, von der Gentechnik usw.
Da waren wirklich erschreckende Beispiele dabei, jedes dieser Beispiele an sich ist wahnsinnig interessant und Menschen wie wir, die wir so viel mit Nahrungsmitteln und mit Essen zu tun haben, müssen sowas meiner Meinung nach unbedingt wissen.
So in der Mitte des Buches wurde ich allerdings etwas müde. Es folgt Beispiel auf Beispiel, was alles nicht funktioniert, und man wartet beinahe verzweifelt auf eine Auflösung. Man hält es kaum mehr aus – so ist es zumindest mir und meiner Mutter ergangen. Aber es kommt und kommt nichts, gegen Ende hin ist man kurz davor, wieder alles hinzuwerfen, und einfach gar nichts mit den neuen Informationen anzufangen.
Dann kommen ein paar Beispiele des “Widerstandes” – die sind aber mehr öffentlichkeitswirksamer Natur, Prosteste, “Feldbefreiungen” etc. Ich bin jetzt nicht der Mensch, der auf die Straße geht, ich glaube auch eher an die kleinen, regelmäßigen Schritte nicht die großen Sprünge und das laute Geschrei. Mich spricht das also nicht so wahnsinnig an. Für mich sind also nur die letzten paar Seiten die Befreiung nach der ich die ganze Zeit lechze. Je eine Liste von Tipps von Jean Ziegler, Michael Pollan & Tanja Busse. Das gefällt mir wiederum sehr gut, klar vieles hat man schon mal woanders gelesen, aber das sind Informationen, die müssen absolut immer wieder wiederholt werden. Außerdem ist es gut solche Tipps an einer Stelle versammelt zu finden. Des weiteren bietet das Buch eine große Auswahl an Referenzliteratur zum Weiterlesen, auch sowas mag ich.
Insgesamt ist es schon wirklich ein wichtiges Buch, vielleicht ist es ja auch Absicht, dass die Informationen so dicht gedrängt daherkommen. Schließlich ist das ein sehr komplexes und verwobenes System, vielleicht muss einem kurzfristig der Kopf brummen, damit man die Größe unserer Verantwortung erkennt. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass Frau Busse gegen Ende hin nicht auf eine so romantische, “Thoreau-mäßige” Weltsicht abzielen würde, in der wir alle im Garten Hühner halten und unser Gemüse selbst anbauen. Ich glaube nämlich, dass das zu den Dingen gehört, die das Potential haben abzuschrecken. Ich denke, dass man Veränderung langsam und behutsam angehen muss, sonst verliert man vielzuviel Energie an den Widerstand. Jetzt kann man natürlich sagen, wir hätten diese Zeit aber nicht … hm, das kann ich kaum rational entkräften, es ist wirklich kurz vor zwölf. Aber für mich hat sich eine fernöstliche Weisheit absolut bewährt: “Wenn du schnell vorankommen willst, gehe langsam.”
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Hey, sehr gut geschriebener Artikel und hört sich nach einem hochinteressanten Buch an!
[...] haben wir aus dem Buch “Die Ernährungsdiktatur” von Tanja Busse. Das hab ich ja auch hier schon mal vorgestellt. Am besten lass ich sie da wohl selbst “sprechen”: “Darf [...]