Bereits zur Römerzeit führte eine alte Wegverbindung vom Drautal über den Gailbergsattel und weiter über den heutigen Plöckenpass. Der Ortsname Mauthen weist noch auf eine alte, hier am Fuß des Plöckenpasses gelegene Mautstelle hin, neben der sich im Mittelalter ein Markt (urk. 1377) entwickelte. Der Ort wird schon 1276 als “muta” erwähnt.
Die Anlage der Mauthner Pfarrkirche reicht in romanische Zeit zurück; sichtbares Kennzeichen ist als ältester Baubestandteil der Turm mit seinen rundbogiben Schallarkaden. Damals war die Kirche eine sogenannte Chorturmkirche, d. h. der Altarraum befand sich im Turmuntergeschoss, dem heutigen Eingangsbereich. Die Kirche war ursprünglich also schon wie üblich nach Osten orientiert. Vermutlich erfolgte die Umorientierung nach Osten bereits in spätgotischer Zeit, warum hab ich allerdings auch noch nicht herausgefunden. Falls es also jemand weiß – würde mich sehr interessieren …
Die wichtigsten historischen Daten:
1399 bewilligt Patriarch Bernhard von Aquileja die Gründung der Pfarre Mauthen, denn damals gehörte unser gebiet zumindest in Kirchenfragen zu Aquileja!
Nach Verwüstung der Kirche beim Türkeneinfall von 1478 wird sie nach ihrer Wiederinstandsetzung am 4. Oktober 1485 von Bischof Pietro von Caorle mitsamt dem Friedhof wieder eingeweiht.
Im Jahr 1514 erhält die Kirche das bestehende spätgotische Netzrippengewölbe, außerdem wird der Freskenzyklus an der äußeren Südmauer vollendet, jedoch später übermalt. 1631 entstand das Schutzmantelfresko an der Innenseite der Südwand.
Im Jahr 1694 brennt die Kirche ab; Fürst von Porcia und andere Adelige wie die Freiherren von Fromiller, die von Söll und Weidenburd, die Grafen von Gaisruck und von Schwarzenburg finanzieren den Wiederaufbau der Kirche.
1720 erhält die Kirche Reliquien des heiligen Laurentius und des Apostels Bartholomäus. 1742 wird die Kirche an der Nordseite durch die 1743 dem hl. Franz Xaver geweihte Pestgelöbniskapelle vergrößert. Teil dieses Gelöbnises war übrigens auch eine alljährliche Novene zum hl. Franz Xaver vom 25. Noveber bis zum 3. Dezember, die auch heutzutage noch verlässlichst abgehalten wird.
1744 wird der in Moosburg gefertigte Hochaltar aufgestellt, sein heutiges Altarbild erhält er 1836.
1932 werden die wertvollen Fresken an der Südwand außen sowie das Schutzmantelfresko innen freigelegt.
Zu den bemerkenswertesten Kunstschätzen der Mauthner Pfarrkirche zählen zweifellos die im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts an der Südwand angebrachten, erst in Jahr 1932 wieder aufgedeckten Fresken: Die Reihe beginnt mit einer Darstellung des “Schmerzensmannes”, mit erhobenen Armen und umgeben von zahlreichem Werkzeug und landwirtschaftlichen Geräten, das nennt man dann einen “Feiertags- oder Sonntagschristus”. Der sollte die Menschen anhalten an Sonn- und Feiertagen die Arbeit ruhen zu lassen, das Sonntagsarbeit Christus ebenso verletzen würde wie Geiselschläge oder die Dornenkrone. Rechts daneben folgt, leider beeinträchtigt durch das später ausgebrochene Fenster, der “Tod Mariens” und darüber der segnende Christus, der die Seele Mariens in Empfang nimmt. Wie das vorherige Bild ist auch dieses von einer gemalten Renaissancearkade umgeben, wobei sich hier noch zahlreiche Putti spielerisch tummeln. Kunsthistoriker vermuten für diese beiden Bilder einen bereits von der italienischen Renaissance-Malerei beeinflussten und schon relativ fortgeschrittenen Meister, während der mutmaßliche zweite Künstler der übrigen vier Fresken noch eher in gotischer Tradition zu stehen scheint. Von ihm stammen die rechteckig gerahmten Felder des hl. Erzengels Michael bzw. darüber der hl. Anna Selbdritt (hl. Anna mit Maria und dem Jesuskind), die monumentale Darstllung des hl. Christophorus und ganz rechts die bereits stark verwitterte Szene der Beweinung Christi. Weitere gotische (nicht öffentlich zugängliche) Fresken befinden sich im Dachstuhl des südlichen Turmanbaus.
Sie sehen, auch die Pfarrkirche Mauthen hat einiges zu bieten, Kleindenkmäler ebenso wie traditionelle Veranstaltungen und Konzerte. Ein Abstecher lohnt sich immer …
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[...] geht’s an der Mauthner Kirche vorbei. Über die hab ich ja vor kurzem schon mal ein bisschen was erzählt. Vorsicht beim Überqueren der Plöckenstraße – nicht alle Autofahrer schauen da so genau, [...]
Hallo Stefanie,
hier die Info zum 1. Absatz:
Bei einer Chorturmkirche wurde der Altar (=Chor) mit dem Turm betont (Altar im Untergeschoß ist zwar ident, klingt aber abwertend, oder?) und sollte die Macht der Kirche, des Pfarrherrn, des Auftraggebers, … demonstrieren.
Die Umorientierung nach Westen erfolgte mit einem Chorzubau 1742. Paternions Pfarrkirche wurde 1765 vergrößert, der Hauptaltar ist jetzt im Norden. Im Barock war die Orientierung nach Osten nicht mehr wichtig.
lg Johanna