Was ist eigentlich ein “Gemischter Satz”?

Geschrieben von Stefanie am 4. Juli 2010

Also ganz allgemein – “Gemischter Satz” ist ein Wein. Er ist einem Cuvee insofern ähnlich als er aus mehreren Rebsorten besteht. Der Unterschied zum Cuvee besteht allerdings darin, dass beim Gemischten Satz alle Rebsorten gemeinsam in einem Weingarten angebaut, gemeinsam gelesen und verarbeitet werden.

Es handelt sich dabei, um die ursprünglichste Form des Weinbaus. Früher hat man das mit Sicherheit zur Risikominimierung gemacht, um abgesichert zu sein, wenn eine Rebsorte ausfällt. Besonders in Wien gibt es noch recht viele alte Lagen dieser Art und von Wien geht sicher auch die momentane Wiederbelebung des Gemischten Satzes aus. Der ist ja im Moment wieder total angesagt.

Besonders schön daran ist meiner Meinung nach die Tatsache, dass keine Rebsorte den Gemischten Satz dominiert. Auch gibt es keine Regeln aus welchen Rebsorten er bestehen muss. “Wenn man ihn gut macht”, sagt Gottfried Lamprecht vom Herrenhof Lamprecht, “ergeben sich daraus hochkomplexe Weine, die nicht dominiert von einer Rebsorte, die lokalen Gegebenheiten, sprich das Terroir als Gesamtes perfekt wieder geben können.”

Wir haben in den letzten Monaten 3 verschiedene “Gemischte Sätze” (ist das wohl die Mehrzahl ?) probiert, weil ich den einfach total cool finde. Unser momentaner Liebling ist nachwievor der Gemischte Satz Alter Panzaun vom Weingut Ehn aus Langenlois im Kamptal. Das passt für mich einfach alles zusammen. Die Rebstöcke sind 50 Jahre alt wurden also vom Großvater von Ludwig und Michaela Ehn gepflanzt. Und obwohl man’s vielleicht nicht gleich merkt :-) , ich stehe total auf so traditionsreiche und gewachsene Geschichten. Der Alte Panzaun besteht aus 8 verschiedenen Rebsorten, wovon man wirklich viele auch riechen kann. Das alleine finde ich schon großartig. Natürlich schmeckt er mir auch einfach sehr, sehr gut, ich bin begeistert, seit ich ihn das erste Mal probiert habe.

Außerdem finde ich, dass er wirklich gut zu unserer Küche passt. Er ist momentan der 3. Weißwein in unserer Weinbegleitung, kommt also meist im 8gängigen Menü zum Fisch zum Einsatz. Und da gibt es momentan für mich kein Dran-vorbei-kommen. Auch wenn ich mich noch so anstrenge, das ist und bleibt mein go-to-Wein für unsere interessant kombinierten Fischgerichte.

Probiert haben wir aber auch den Gemischten Satz Classic vom Weingut Rotes Haus am Nussberg, eine dieser alten, noch erhaltenen, sehr traditionreichen Wiener Lagen. Der war total anders. Ich habe gelesen, dass Wiener Weine oft für ihre Hintergründigkeit bekannt sind. Das sie also nicht so einfach zugänglich sind, wie manch andere. Das hat für mich beim Nussberg auf alle Fälle den Nagel auf den Kopf getroffen. Musste sehr viele :-) Gläser trinken, um überhaupt draufzukommen, was ich dazu denke. (Hat mir aber nichts ausgemacht, man muss halt Opfer bringen können.) Das spannendste für mich war eine fast salzige Note dieses Weins. Damit hat er bei mir voll ins Schwarze getroffen, ich liebe alles, was man nicht salzig erwartet und was dann doch leicht salzig ist (siehe Ritter Sport Special Edition mit gesalzenen Erdnüssen – davon träume ich heute noch!). Allerdings hab ich mir etwas schwer getan, ihn in die Weinbegleitung einzubauen. Hab da einfach keine befriedigende Position für ihn gefunden. Super angekommen ist er allerdings als allein stehender Mittagswein bei den Seminaren. Da hat er immer voll abgeräumt.

Und der dritte im Bunde ist der Gemischte Satz Kirchberg vom Weingut Dürnberg im Weinviertel. Den haben wir zum Probieren bekommen und er hat mir echt auch gut gefallen. Leider hab ich nur ein halbes Glas trinken können, Vater hat er wohl auch geschmeckt :-) Momentan kann halt kein Gemischter Satz den Alten Panzaun aus meinem Herzen verdrängen, aber es lohn sich auf jeden Fall das Weingut Dürnberg mal anzuchecken.

Also, ich sage, Gemischten Satz unbedingt mal probieren, da gibt’s viel spannendes zu entdecken.

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