Es ist Anfang September. Die Zeit verfliegt. Auch die ersten Blätter fallen schon zu Boden. In den Karnischen und Gailtaler Alpen kann es an manchen Tagen schon sein dass die obersten Gipfel mit einer Schneeschicht angezuckert sind. Die ideale Zeit für kürzere und längere Wanderungen – denn die Fernsicht ist jetzt unschlagbar! Das ist aber auch die Zeit für gemütliche Saunanachmittage und entspannende Stunden bei Kaffee und Kuchen. Deshalb gibt es heute einen gemütlicheren Wandertipp – der aber dennoch sehr viel zu bieten hat.
Es geht zum Wieserberg – über Dellach. Ich schlage vor mit dem Auto oder Fahrrad bis zum Heldenfriedhof oberhalb von Dellach zu fahren. (Die Strecke ist in Dellach gut ausgeschildert. Folgen Sie einfach der Markierung Richtung Heldenfriedhof oder Gurina.) Beim Heldenfriedhof parken Sie Ihr Auto und wandern dann in Richtung Wieserberg. Der Weg führt die Straße entlang – ideal also auch für Kinderwägen oder für nassere Tage (wenn sie Wiesen und Wälder meiden wollen). Aber keine Sorge – Straße bedeutet nicht dass Ihnen hier viele Autos begegnen. Die Straße ist lediglich die Zubringerstraße zum Wieserberg. Sie werden also die meiste oder ganze Zeit keine Autos sehen und in Ruhe marschieren können. Der Weg schlängelt sich durch Wälder und entlang von Feldern. Immer wieder gibt es kleine Ausblicke ins Tal. Schließlich kommen Sie zum Bauern am Wieserberg. Dort kann man auch den Schlüssel für das Kirchlein abholen. (Man spendet ein paar Münzen dafür.) – Eine alternative Strecke führt von St. Daniel über Monsell nach Rüben und von dort über die Gurina zum Wieserberg. Zurück würde ich in diesem Fall den Weg entlang der Gail nehmen.
Durch einen kleinen, leicht ansteigenden Waldweg kommt man zum versteckt im Wald liegenden, romantischen St. Helena Kirchlein.
Die einfache romanische Saalkirche ist 10 mal 7 Meter groß und schließt mit einer halbförmigen Apsis ab. Der Eingang (in der Mitte der Westfassade) ist in großen Haussteinen als Rundbogen ausgeführt. In der Apsis gibt es zwei Rundbogenfenster – eines noch Osten und eines nach Südosten. Während die Nordwand in der Zeit der Romanik keine Fenster besaß, liegen an der Südwand zwei erst durch die Restaurierung zum Vorschein gekommene kleine Rundbogenfenster. Ebenfalls aus der Romanik datiert das mit einem einfachen Holzdeckel geschlossene, runde Weihwasserbecken. Der südliche Glockenturm (Gotik) wurde erst einige Jahrzehnte nach der Fertigstellung der Kirche errichtet. Im Erdgeschoss des Glockenturm liegt die Sakristei. Sie weist ein Kreuzratgewölbe auf und wird über eine spitzbogenförmige Türe vom Kirchenraum aus betreten. Der Turm wird bereits der Gotik zugerechnet – das verraten seien Dimensionen, die rund geschlossenen Zwillingsbögen der vier Schallfenster und die Wasserspeier. Der offensichtlichste Beweis für die späte Errichtung des Glockenturms ist aber ein anderer. Das einstige Fassadenbild an der Südseite wurde durch den Turm verdeckt. Das Bild zeigt den heiligen Christophorus und sein guter Erhaltungszustand lässt darauf schließen, dass es nicht zu lange im Freien lag.
Über die genaue Entstehungszeit der Kirche bzw. des Kirchturms wurde lange Zeit gerätselt. Der Innsbrucker Kunsthistoriker Thomas Steppan hat im Zuge seiner Forschungen und Dokumentationen an hand von Holzbeprobungen, Ausmessung im Jahrringslabor und anschließenden Analysen folgendes festgestellt. Der Beginn der Bauzeit wird mit 1291 und seine Fertigstellung mit 1293 bzw. spätestens 1295 datiert. Der Kirchturm lässt auf eine Entstehung um 1360/1365 schließen.
Bei einem Bau mit derart langer Geschichte wurden natürlich immer wieder Änderungen vorgenommen. So ist zB das dritte, größere, dreipassförmige mit Maßwerknasen geschlossene Spitzbogenfenster im Süden der Apsis erst im Laufe der Gotik hinzugekommen. (Ein kleiner Teil der Fresken wurde dadurch eliminiert.) Grund für das weitere Fenster dürfe die bessere Beleuchtung gewesen sein. In der Mitte des Langhauses gibt es zwei aus der Barockzeit stammende Fenster. Zahlreiche Gegenstände, die ursprünglich in der St. Helena Kirche standen, wurden im Laufe des 20. Jahrhunderts entfernt. Eine gotische Helenastatue ist heute zB in der Pfarrkirche in Grafendorf zu finden.
An der Ostfassade gibt es einen lebensgroßen, hölzernen Kopf mit strengem Gesichtsausdruck der den Scheitel des Pultdachs der Apsis bildet. Der drohende Gesichtsausdruck gründet auf dem Glaube ein solcher “Neidkopf” könne Übel abwehren. Dieser mittelalterliche Aberglaube gibt auf heidnische Traditionen.
Wunderschön sind auch die romanischen Fresken in der Kirche. In diesem Fall sind diese nämlich von Übertünchungen verschont geblieben. Die Beschreibung der Fresken würde jetzt wirklich den Rahmen sprengen – dafür empfehle ich das ganz unten angeführte Buch von Thomas Steppan. Da ist man dann bestens informiert und kann auch mal Stunden in der Kirche mit dem Freskenstudium zubringen. Das “versteckteste” Fresko ist jenes des heiligen Christopherus. Man erreicht es über eine steile hölzere Treppe vom Chor aus. Über den Dachboden der Kirche kann man dann in den Glockenturm hinuntersteigen. (Ich empfehle eine Taschenlampe mitzunehmen. Ausserdem sollte man keine Angst vor Fledermäusen haben.
) Am Bild sehen Sie mich & einen Teil unseres Rezeptionsteams (Yvonne und Sarah) – wir haben bei unserem Rezeptionsausflug im Mai auch die St. Helena-Kirche besucht. Es ist spannend so ein verstecktes Fresko zu suchen – Sie werden sehen!
Quelle: ua. “Die spätromanischen Wandmalereien von Sankt Helena am Wieserberg” von Thomas Steppan
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Das erwähnte Buch ist übrigens auch im Tourismusbüro der Gemeinde Dellach erhältlich. Viel Spaß beim Lesen!