Die Pfarrkirche St. Daniel

Geschrieben von Marianne am 11. Juni 2010

Waren Sie schon einmal in St. Daniel? Wenn ja dann kennen Sie ihn sicher – den roten Zwiebelturm der Pfarrkirche St. Daniel. Für viele DAS Wahrzeichen von St. Daniel. Egal von welcher Richtung man kommt, der Turm ist schon von Weitem sichtbar und somit ist auch die Pfarrkirche St. Daniel kaum zu übersehen. Es ist also an der Zeit die altehrwürdige “Dame” auch hier einmal vorzustellen. Sie hat eine über tausend Jahre alte Geschichte. Wenn Sie Lust und Laune haben erzähle ich Ihnen heute ein bißchen mehr davon.

Gegründet wurde die Kirche vermutlich im 9. Jahrhundert – als Eigenkirche der Patriarchen von Aquileia. Um 1100 erwuchs daraus dann die Mutterpfarre für das Gail- & Lesachtal. (St. Daniel wird von den Einheimischen auch heute noch “Pfarre” oder “Pforre” genannt bzw. die St. Danieler heißen umgangssprachlich auch “Pforrna”.)

Archäologische Grabungen im Jahr 2003 haben die Überreste von 4 Vorgängerkirchen ans Tageslicht gebracht. Der erste Bau war eine nicht weiter untergliederte Rechteckskirche im Steinbau – ohne Sakristei & Kirchturm. Ihr Bestand wird etwas von 800 bis 950 vermutet. Die Forscher gehen davon aus, dass sie als Eigenkirche des Patriarchen von Aquileia gegründet wurde. In weiterer Folge wurde diese Saalkirche um einen Chor (=Altarbereich) erweitert (ca. 950 – 1100). Das kann als 2 Vorgängerkirche angesehen werden.

Kirche Nummer 3 war ein völliger Neubau – eine Saalkirche mit Rundapsis und flacher Holzdecke – aber immer noch ohne Sakristei und Turm. Der Kirchenraum wurde im Vergleich zu den Vorgängerkirchen erheblich vergrößert. Zeitlich ist diese Kirche in die Zeit 1100 bis 1250 einzuordnen. Auch die folgende Kirche Nummer 4 (1250 – 1485) im spätgotischen Stil war ein Neubau – diesmal nochmals um einiges größer und erstmals mit Kirchturm. Der mächtige Turm bis in Höhe der dreigeteilten Schallfenster ist bis heute erhalten geblieben. Es gab noch keinen Zwiebelturm. Man geht davon aus, dass ein einfaches Satteldach den Abschluss bildete.

Am Jahr 1478 wurde die Kirche von den Türken zerstört oder zumindest schwer beschädigt. Davon zeugt noch eine Inschrift, die über dem Eingangstor im Westen der Kirche angebracht ist. Nach der zumindest teilweisen Zerstörung wurde die Kirche wieder aufgebaut, dabei wurden große Teile der Vorgängerkirche verwendet bzw. stilistisch umgearbeitet. (= heutige Kirche = Kirche Nummer 5).

Diese bis zum heutigen Tag erhaltene Kirche ist 30 Meter lang und 10 Meter breit. Beim Betreten der Kirche durchschreitet man das spitzbogige, spätgotische Westtor. Bemerkenswert sind dabei die gotischen Eisenbeschläge der alten Eichentüre. Sie sind innen an der Westwand zur Ansicht angebracht. Die Decke ziert ein Netzrippengewölbe mit Rankwerk und Schusssteinen. Die Schlusssteine sind sowohl rund als auch quadratisch und sind mit Apostelbildern sowie Wappen bemalt. Die rötliche Bänderung der Bündelpfeiler und das Rankwerk wurden erst im Laufe des 16. Jahrhunderts aufgebracht. Diese Gestaltung verleiht der Kirche einen lieblichen Charakter.

An der Südseite der Kirche befindet sich die Sakristei. An ihrer Außenwand ist ein römischer Grabstein eingelassen. Ebenfalls an der Südseite findet man eine Darstellung des Weltgerichts von Urban Görtschacher aus der Zeit von 1510/1515.

In der ausgehenden Barockzeit zwischen 1764 und 1784 erfuhr die Kirche abermals bauliche Veränderungen. Aus dieser Zeit datiert zB der Zwiebelhelm des Turms. Ebenfalls wurde an der Südseite eine zweigeschossige Sakristei angebaut. Der Altarraum wurde barockisiert. Bedauerlicherweise fehlt der damals entstandene Farbschmuck im Altarraum heute gänzlich, da er durch einen Einsturz der Turmspitze zu Beginn des 19. Jahrhunderts zerstört wurde und anschließend nur mehr mit sehr einfachen Mitteln barockisiert wurde. Das noch heute erhaltene Taufbecken sowie der holzgeschnitzte Schmerzensmann stammen aus dem 17. Jahrhundert.

Ich hoffe ich konnte Ihnen damit einen Überblick über die Geschichte der Danielskirche in St. Daniel geben. Sind Sie geschichtlich interessiert und möchten Sie mehr dazu lesen. Dann empfehle ich Ihnen das Buch “St. Daniel, zur Geschichte der ältesten Pfarre im oberen Gailtal und Lesachtal” (ISBN 3-902128-36-4)

Sie wollen die Kirche besichtigen? Ausserhalb der Gottesdienstzeiten ist die Kirche verschlossen. Den Schlüssel erhalten Sie im Pfarrhof direkt hinter der Kirche.

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Eine Antwort auf diesen Beitrag to “Die Pfarrkirche St. Daniel”

  1. Marianne sagt:

    Das erwähnte Buch ist übrigens im Buchhandel schon ein bißchen schwer zu bekommen. Ich empfehle das Tourismusbüro der Gemeinde Dellach – dort ist das Buch vorrätig und kann gekauft bzw. sicher auch bestellt werden.

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