Osterbräuche im Gailtal

Geschrieben von Marianne am 30. März 2010

Zu Beginn der Karwoche erzähle ich Ihnen heute ein bißchen von den Osterbräuchen im Gailtal. Ich finde Brauchtum wichtig und daher hab ich mich auf die Suche gemacht und einiges Interessantes zusammengetragen.

Rund um den Palmbesen
Am Palmsonntag wurden ja die Palmbesen oder -buschen in der Kirche geweiht. Zurück im Haus gibt es dann eine Vielzahl an Brauchtum. Um das Haus zu segnen geht man zB dreimal mit dem Palmbesen rund ums Haus. Bauern stecken in ihre Felder je einen Palmzweig, um die Ernte vor Unwetter zu schützen. Sie besitzen kein Feld – dann ist der Zweig auch im Garten eine gute Idee ;-) . Auch für die körperliche Gesundheit wird gesorgt – um das ganze kommende Jahr gesund zu bleiben schluckt man ein geweihtes Palmkätzchen.
Der Palmbuschen vom Vorjahr wird jetzt aufgeheizt – das schützt das Haus vor Unglück. Andere werfen zusätzlich bei jedem kommenden Unwetter einen Palmzweig in den Ofen und verheizen ihn – dadurch bleibt das Haus von Blitz und Hagel verschont. Als Kind hatten wir immer viel Spaß an dem Brauch des “Palmesels” – das ist derjenige im Haushalt der am Palmsonntag am längsten schläft. Kein Ehrentitel also …

Rund um den Karsamstag
Der Karsamstag startet bei uns im oberen Gailtal schon sehr früh. Zwischen 7 und 8 Uhr gibt es die Feierweihe. Vor der Kirche wird ein Osterfeuer entzündet und geweiht. Die Dorfbewohner kommen mit an einem Draht befestigten “Schwämmen” und nehmen das Feuer mit nach Hause. Dort wird im Herd dann ein Feuer entzündet. (Früher wurde oftmals am Karfreitag mit dem Auslöschen der Kerzen in der Kirche auch das Feuer im Herd gelöscht. Dieses Feuer wird nun mit dem geweihten Schwamm neu entzündet.) Die Symbolik dahinter kann so beschrieben werden: “Das Alte ist vergangen und mit Christus ist etwas Neues gekommen.”

Die Schwämme für das Osterfeuer werden am besten schon ein Jahr im Voraus gesammelt und an einem warmen Ort getrocknet. Sie werden dann durchbohrt und an einem Draht befestigt. Im geweihten Feuer wird der Osterschwamm dann entzündet. Den glühenden Schwamm schwingt man dann hin und her. Dadurch erlischt er auch nicht – selbst wenn man einen längeren Weg nach Hause hat und nicht wie ich gleich unter der Kirche wohnt.

Am Nachmittag des Karsamstag findet dann die Speisensegnung statt. Dafür werden die Osterkörbe gefüllt mit Kärntner Reindling (das Rezept dazu gibt es morgen im Daberer-Blog), Kochschinken, Kren, Ostereiern, Rindszunge, … . Darüber kommt die Weihkorbdecke. Das ist meist eine Leinendecke die mit roten Kreuzstichen verziehrt ist. Diese Körbe werden rund um den Altar gestellt und vom Pfarrer gesegnet. Anschließend versammelt sich die Familie zuhause zur Osterjause. MMMH – das schmeckt köstlich! (Auch wenn man die 40-tägige Fastenzeit nicht so streng eingehalten hat.)

Rund ums Osterei
Eine sehr beliebte, bekannte und gängige Tradition ist das Eierpecken. Dabei werden die Enden (spitzes Ende auf spitzes Ende und stumpfes Ende auf stumpfes Ende) der Eier aneinander geschlagen. Wer verliert muss das Ei an den Gewinner abgeben. Mein Vater erzählt auch immer vom “Schilling-Pecken”. (Sollte jetzt dann wohl eher “Euro-Pecken” heißen.) Das funktioniert so, dass einer ein Osterei hält und der andere eine Münze senkrecht danach wirft. Bleibt die Münze stecken gehört dem Werfer Münze und Ei. Oder das “Eierkugeln” – man legt eine Münze auf den Boden und jeder rollt aus einer bestimmten Entfernung ein Osterei in Richtung der Münze. Wer der Münze am nächsten kommt darf diese behalten …

Natürlich gibt es noch viel mehr an Traditionen und Brauchtum. Ich habe ein kleine Auswahl für Sie getroffen. Am besten erlebt man diese Traditionen bei einem Urlaub im Gailtal.

Quellennachweis: Foto Ostereier manun / photocase.com

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