Kufenstechen in Feistritz, Inge Daberer war dabei

Geschrieben von Marianne am 27. Mai 2010

… und dann hol i ma beim Stechen es Kranzle
und nacha es Dirndle dazu ….

Für Marion unseren jüngsten Lehrling war es ein großer Tag, Marion durfte das erste Mal unter die Lind’n. Was heißt das? Im unteren, z.Teil zweisprachigem Gailtal gibt es den Kichtagsbrauch des Kufenstechens. Von Hermagor talabwärts, vor allem auf der Schattseite ist die Pferdezucht beheimatet und aus dieser Zeit hat sich dieser Brauch erhalten.

Es war ein großer Wunsch von mir einmal beim Kufenstechen zu sein. Und so habe ich mich sehr über die Einladung von Familie Schmidt, Marions Eltern gefreut. Christian als Lehrlingsverantwortlicher hat mich begleitet. In Wahrheit wollte er Marion in ihrer wunderschönen Gailtaler Tracht sehen. …und das war ein erfrischender Anblick die ledigen jungen Gailtalerinnen mit den plissierten kecken Röcken, bunten Tüchern und gestärkten blitzweißen Blusen beim Kirchgang zu sehen.

Maria Theresia nahm Anstoß am kurzem Rock mit vielen Unterröcken darunter, der hervorblitzenden Spitzenhose sowie dem roten Strumpfband. Aber das ist nur ein Aspekt, die Tracht bedarf einer aufwendigen Vorbereitung. Die Unterröcke und die Blusen mit Plisseekragen wird vor dem Tragen gebügelt und gestärkt, was ca. 5 Stunden in Anspruch nimmt. Die Tracht wiegt 7 Kilo und das Anziehen dauert mit Hilfe der Mutter 2 Stunden.

Die ledigen Burschen mit Samtjoppe, Seidentuch und Reitstiefeln, in denen eine Zipfelmütze steckt, sind nicht minder fesch. Die Zipfelmütze setzen die jungen Reiter dann beim Kufenstechen auf. Es gilt mit einem Pferd im Galopp ohne Sattel über den Dorfplatz zu reiten und dort mit einem schweren Eisenschlegel ein Fass dass auf einem Pfosten hängt, zu zertrümmern. Dem Sieger winkt natürlich ein Ehrentanz mit einer feschen Gailtalerin unter der Lind’n.

Vorher stärkt man sich mit einer Kirschtagssuppen. Dies ist eine kräftige Fleischsuppe aus mindestens 5 Fleischsorten und Wurzelwerk. Das Fleisch wird gekocht und die Suppe abgeseiht und dann mit reichlich süßem Rahm, Mehl und Eiern gebunden…… und Frau Schmidt sagt im Original kommen hausgemachte Backerbsen als Einlage. Die Suppe macht Tote lebendig, köstlich!

Natürlich wird in Kärnten viel gesungen und im unteren Gailtal gibt es besonders schöne Chöre, gute Sänger, herrliche Tenöre.

Der ganze Ort lebt Kirchtag, Onkel und Tante, Opa und Oma ist eingeladen und Frau Schmidt hatte alle Hände voll zu tun. Aber am Pfingstdienstag ist dann der Kirchtag für die Verheirateten, es gibt dann nur eine Runde Kufenstechen und für den Sieger einen Brennesselkranz. Aber so schlimm ist verheiratet sein nun auch wieder nicht.

Ein Fest voll Lebensfreude ursprünglich und echt, nichts Aufgesetztes , viel Traditionspflege und echtes Brauchtum – wenn Sie zu Pfingsten im Gailtal sind – das ist erlebenswert!

(Bericht von Inge Daberer, die gemeinsam mit meinem Bruder Christian, das Kufenstechen in Feistritz im Gailtal besucht hat. Ein toller Bericht! Ich bin begeistert. Vielen Dank für die tolle Unterstützung!)

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

| More

 

Abgelegt unter den Themen: Veranstaltungen - Lebensfreude
Schlagworte/Tags:

Ein Kommentar hinterlassen