Sie fahren mit dem Fahrrad an der Gail entlang und blicken Richtung Jauken. Da sehen Sie ein regions-untypisches Gebäude. Einen Tempel! Wie kommt der hierher fragen Sie sich? Ja das ist eine lange Geschichte. Eine Kurzfassung erzähle ich Ihnen heute.
Die Gurina liegt wunderschön auf einem Hochplateau nördlich der Ortschaft Dellach im oberen Gailtal. Seit dem 19. Jahrhundert ist der Ort als archäologische Fundstädte bekannt. In den Jahren von 2004 bis 2008 waren großangelegte Grabungen im Gang. Derzeit ist das Projektteam dran die Grabungsarbeiten aufzuarbeiten und zu dokumentieren.
Die Geschichte der Gurina geht bis in die Hallstattzeit zurück. In eben dieser (9. bis 4. Jh. vor Christus) wurde auf dem Hügel der Gurina eine großer Opferplatz, eine Siedlung und ein Gräberfeld nachgewiesen. Herausragenster Fund aus dieser Zeit ist eine Venusstatuette aus Bronze. Ab dem 3. Jahrhundert vor Christus setzten sich keltische Stämme in Kärnten fest und verdrängte auch die ursprünglich hallstattzeitliche Bevölkerung auf der Gurina. Es wird davon ausgegangen das die Kelten einen Ihrer Hauptorte auf der Gurina hatten. Aus dieser Zeit wurden ua beschriftete und verzierte Opferbleche gefunden.
Ab den Jahren 16 und 15 v. Christus hielten die Römer Einzug auf der Gurina. Es ließen sich an mehreren Stellen römische Bauspuren nachweisen. Aus dieser Zeit wurde neben Fibeln, Amphoren, Münzen und Tonwaren auch Überreste von Häusern freigelegt. Die Römer haben kurze Zeit nach Ihrer Besiedelung der Gurina mit dem systematischen Aufbau einer Stadt begonnen. Auf der Tempelkuppe errichten Sie einen gallorömischen Umgangstempel. Darunter wird ein Verwaltungsbebäude angenommen und daran anschließend die Wohngebäude. Eine Skizze und viel genauere Details aus dieser Zeit gibt es hier.
Der gallo-römische Umgangstempel wurde bereits im Jahr 1884 erwähnt und dokumentiert. Im Zuge der Grabungsarbeiten wurde er erneut freigelegt. Es ist gelungen einen detaillierten Plan des Tempels zu erarbeiten. Anhand dieser historischen Daten wurde der Tempel nunmehr rekonstruiert und kann auf der Gurina besichtigt werden. (Der Tempel ist von Juni bis September geöffnet. Von außen ist eine Besichtigung immer möglich. Im Bedarfsfall kann außerhalb dieser Zeiten ein Besuch erfolgen – einen Schlüssel für den Tempel gibt es bei Maria und Sieghard Robatsch auf der Gurina 1. Sicherheithalber einfach vorher anrufen: 0043 4718 632). Ich empfehle überhaupt eine Führung zu buchen – ansonsten nimmt man zu wenig von seinem Besuch mit. Führungen werden direkt über das Gemeindeamt Dellach gebucht – hier empfehle ich wiederum die Homepage der Gurina bzw. einfach telefonische Informationen einholen unter 0043 4718 301. (Übrigens für alle Heiratswilligen die noch auf der Suche nach einem besonderen Ort sind – im Herkulestempel finden auch standesamtliche Hochzeiten statt.)
Leider wurden die Ausgrabungen in der Zwischenzeit wieder zugeschüttet. Das folgende Foto das zufällig im Zuge eines Hauptschrauberflugs gemacht wurde gibt aber noch einen ganz guten Eindruck von einem Teil der Ausgrabungen. Viele Detailsinformationen zu Grabungsfunden aus römischer Zeit und viele Fotos gibt es hier.
Die römische Siedlung hatte auf der Gurina nicht allzulange Bestand. Die Forscher gehen von max. 50 Jahren aus. Die Gründe dafür werden zum einen in dem vermehrten römischen Städtebau in den Ebenen gesehen und zum anderen in der, für römische Abbaumethoden zu wenig ergiebigen, Eisenvorkommnissen.
Hier gibt es jetzt noch die Wegbeschreibung: der Archäologiepark Gurina ist aufgrund seiner exponierten Lage nur zu Fuß erreichbar – also am besten mit einer kleinen Wanderung verbinden. Folgen Sie von Dellach (Gailtal) der Ausschilderung Richtung Gurina. Bei einer Kreuzung im Wald etwas nördlich des Heldenfriedhofs ist ein Parkplatz ausgeschildert. Von dort erreichen Sie ine einer ca. 15 minütigen Wanderungen durch den Wald das Gurina-Plateau. Bitte ziehen Sie gutes Schuhwerk an.
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