26. Lesachtaler Dorf- und Brotfest

Geschrieben von Stefanie am 7. September 2009

Wie angekündigt war ich am 4. September in Liesing beim Auftakt zum 26. Dorf- und Brotfest. Organisiert wurde die Veranstaltung von Simone Matouch – der ausgewiesenen Kräuterhexe im Lesachtal :-) . Nein, sie ist Biologin und Initatorin der Natur- und Kräuterwerkstatt Lesachtal. Wir haben schon beim heurigen Kräuterfest im Juni – das übrigens immer beim Mühlenstüberl stattfindet – mit ihr zusammengearbeitet.

Als Auftakt des heurigen Brotfestes ging es diesmal um alte Kultursorten. Vortragende waren – neben mir – eben Simone Matouch und Maria Walcher. Frau Walcher ist die Mitglied der österreichischen Unesco-Kommision und Leiterin der Nationalagentur für das Immaterielle Kulturerbe.

In dieser Funktion hat sie uns erklärt, das Österreich einen großen Beitrag zur europäischen Sicht auf das Immaterielle Kulturerbe geleistet hat. Neben der Sicherung des materiellen Kulturerbes – also Denkmäler, Gebäude und so – geht es also der Unesco jetzt auch um das sogenannte Immaterielle Kulturerbe – vereinfacht gesagt also “Sachen, die man NICHT angreifen kann”, die aber dennoch erhaltenswert sind. In den ersten Überlegungen hatte man dabei an Kultur – Musik, Literatur, … – gedacht. Besonders aus Österreich kamen aber dann die Vorschläge auch Spezialwissen wie Volksheilkunde, alte Anbaumethoden, Katastrophenschutz etc. ins Immaterielle Kulturerbe aufzunehmen.  Das finde ich natürlich schon total spannend. Ich meine, in den Generationen vor uns wurde dieses Wissen von den Eltern an die Kinder weitergegeben. Nach dem Krieg, denke ich, wurde dieses Wissen allerdings zunehmend belächelt und nicht mehr so ganz ernst genommen. Auch Frau Walcher wies darauf hin, dass man ja versucht hatte, sehr viel Eigenverantwortung und Kompetenz auszugliedern – Gesundheit an Ärzte und Krankenhäuser, Lebensmittelanbau an maschinelle Landwirtschaft, usw. Das die Unesco es sich jetzt auch zur Aufgabe macht, auch dieses Wissen zu sammeln, finde ich wirklich toll. Es unterstreicht auch meine eigenen Überlegungen in letzter Zeit. Als Kind hab ich ja auch gedacht, dass es uncool ist etwas über Kochen, Gartenbau, Hausmittel, Haltbarmachungsmethoden usw. – also “Hausfrauenwissen” zu erfahren. In letzer Zeit stelle ich allerdings fest, dass man damit wirklich viel seiner eigenen Möglichkeiten und Eigenverantwortung aus der Hand gibt.

Simone Matouch sprach danach über alte Kultursorten und die Arbeit der Arche Noah. Man muss sich ja doch mal bewußt machen, dass es viel, viel, viel, viel mehr Sorten gibt, als man landläufig so kennt oder kaufen kann. Tomaten sind halt nicht nur Tomaten. Davon gibt es unglaublich viele Sorten. In den letzten 20 Jahren hat man sich vor allem in der “industriellen” Lebensmittelproduktion auf die bequemsten und widerstandsfähigsten Sorten konzentriert. Was natürlich die Gefahr birgt, viele andere Sorten zu verlieren bzw. auszurotten. Das zu verhindern ist das Ziel der Arche Noah. Dabei geht es nicht nur um moralische Überlegungen – so a la: “Das darf man nicht zulassen” und so. Sondern auch darum, dass Lokalsorten immer an ihre jeweilige Heimat optimal angepasst sind und natürlich auch ein ganz besonderes Geschmackserlebnis darstellen. Außerdem geht es der Arche Noah auch darum, diese Pflanzen fortpflanzungsfähig zu halten. Normalerweise werden heute ja nur Hybridpflanzen verkauft, von denen keine Samen für die nächste Generation gewonnen werden können, weil die dann nicht mehr fruchtbar sind. Für uns mag das ja noch nicht so ein Problem sein, weil von uns eh die wenigsten Samen selbst gewinnen, aber in ärmen Ländern ist das schlicht eine Katastrophe, weil diese Menschen eh kein Geld haben, so aber dennoch immer wieder von den großen Samenproduzenten kaufen müssen. Das wird so übrigen auch in “We feed the World” gezeigt – mal zum Wieder-Anschauen. Nachdem es mir noch nie gelungen ist, die Homepage der Arche Noah zu öffnen, fand ich diesen Vortrag wirklich total interessant.

Und dann ich – zum Thema alte Kultursorten hatte ich bis zu diesem Tag ja auch nicht so wirklich viel Ahnung. Simone kam auf mich als Mitwirkende, weil wir als Unternehmen Mitglied von SlowFood Kärnten sind. Deshalb hab ich mal so erklärt, um was es bei SlowFood geht. Die Organisation unterstellt ja einen Trend zu Fast Food und Vereinheitlichung in der Lebensmittelproduktion und will dem durch Genußevents und -schulungen entgegenwirken. In diesem Zusammenhang geht es auch SlowFood um die Bewahrung der Biodiversität und traditioneller Anbau- und Herstellungsmethoden.

Und natürlich hatte ich auch was zum Essen dabei – alles andere ist ja unwitzig :-) Es gab: Frico, Cherrytomten mit Mozzarella und Basilikum, Zucchiniröllchen mit Gailtaler Speck und Schafsfrischkäse, Erdäpfelbrot mit Verhackertem und Gedeckte Gemüsefoccaccia (die ist überhaupt der Hit, da könnt ich mich reinlegen – Rezept gerne auf Anfrage:-) )

Noch eine Notiz am Rande. Stattgefunden hat die Veranstaltung in Liesing in der Volksmusikakademie. Liesing hat laut Kleiner Zeitung ja den “Schönsten Dorfplatz Kärnten”. Also erstmal, ich find ihn auch toll. Wir haben vor den Vorträgen noch beim Mascher etwas getrunken. Da sitzt man draußen am Dorfplatz. Schaut auf die Kirche und die Berge – die Ruhe schlechthin. Nochdazu war eine Messe im Gange – an einem Freitag möchte ich bemerken – und man hat die Orgelmusik gehört. Entspannung pur.

Und die Volksmusikakademie ist ein ganz tolles Haus. Ich finde es großartig, wie man da ein lebendes Denkmal für die Volkskultur und Volksmusik geschaffen hat. Anders kann man das echt nicht sagen – großartig. Ist ja sonst nicht ganz mein Ding, aber die Bodenständigkeit und Begeisterung, die ich da erkenn kann, finde ich wirklich bewundernswert.

Insgesamt also eine tolle Veranstaltung – war echt froh dabei zu sein!

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2 Antworten auf diesen Beitrag to “26. Lesachtaler Dorf- und Brotfest”

  1. wolf maria sagt:

    Liebe Stefanie,
    ich hätte sehr gerne dein Rezept der Gemüsefoccaccia. Deinen Bericht finde ich sehr interessant. Ich habe auch schon viel über Arche Noa gehört. Auch habe ich in Ingolstadt(Oberbayern) eine Ausbildung zur Kräuterpädagogin gemacht und bin sehr eifriger Leser eures Blogs. Weiter so!!! Eine Dozentin von uns hat auch einen interessanten Blog. “//blog.pflanzenlust.de. Ich war übrigens mit meinem Mann im Sommer bei euch beim Essen. Viele Grüße daher an alle. Wir sehen uns bestimmt nächstes Jahr wieder.

    Grüße Maria

    • Stefanie sagt:

      hallo maria,
      vielen dank erst mal für’s lesen. freut mich zu hören, auch dass du schon zum essen da warst – gib dich doch das nächste mal zu erkennen :-) danke auch für den blog-tipp. werd ich mir auf jeden fall anschauen, klingt super! das rezept schicke ich dir per e-mail. die ist echt super!
      bis bald und liebe grüße auch nach ingolstadt
      stefanei

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